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Moore und Feuchtgebiete

EU-LIFE-Projekt "Rosenheimer Stammbeckenmoore"

Bayern

Die „Rosenheimer Stammbeckenmoore“ sind mit ca. 43 km² einer der größten Moorkomplexe Bayerns und Süddeutschlands. Trotz starker Eingriffe in den Moorkörper durch Torfabbau im 19. Jahrhundert sind die im Gebiet vorhandenen Lebensräume und ihre Tier- und Pflanzenwelt noch heute von europaweiter Bedeutung. Herausragend ist das Gebiet wegen der Größe, der relativen Naturnähe, der engen Verzahnung bedrohter Feuchtlebensräume und des Vorkommens besonderer Tier- und Pflanzenarten wie z.B. Schwarzstorch (Ciconia nigra), Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), Blau- und Schwarzkehlchen (Luscinia svecica, Saxicola rubicola).

Aufgrund der großen Bedeutung wurde von der Europäischen Union für die Rosenheimer Stammbeckenmoore ein LIFE-Natur-Projekt zwischen 2005 und 2010 durchgeführt. Hierbei sollen Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten von „gemeinschaftlichem“ Interesse gezielt gefördert und das Europäische Schutzgebietsnetz „Natura2000“ gestärkt werden.

Ziele des Projektes beinhalteten:

- Die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts in abgebauten und trockengelegten Torfmooren durch Verschließung von Entwässerungsgräben und Entbuschung („Renaturierung“)

- Den Erhalt und die Optimierung der Streuwiesenlebensräume durch traditionelle Herbstmahd

- Förderung wiesenbrütender Vögel durch Besucherlenkung und Entfernung von Gehölzen

- Die intensive Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Moorschutz, insbesondere der Aufbau der zwei Moorstationen Sterntaler Filze und Nicklheim.

Moorlandschaft der Rosenheimer Stammbeckenmoore

Details

Projektträger:
Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung im Landkreis Rosenheim; Gemeinde Raubling; Bayer. Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz; Untere Naturschutzbehörde - Landratsamt Rosenheim (= aktuelle Gebietsbetreuung)
Adresse:
Wittelsbacherstraße 53
83022 Rosenheim
Förderprogramme:
EU-LIFE-Programm Finanzielle Förderung durch: - 50 % Europäische Union (LIFE Projekt) - 10 % Bayerische Naturschutzfonds
Kooperationspartner:
Bayr. Staatsforsten, Forstbetrieb Schliersee; Höhere Naturschutzbehörde (Regierung von Oberbayern); Amt für Landwirtschaft und Forsten Rosenheim – Bereich Forsten; Wasserwirtschaftsamt Rosenheim; Maschinenring e.V., Aibling und Rosenheim; Gemeinde Bad Feilnbach; Nicklheimer Kulturverein D´Fuizler e.V.; Landwirte und Grundeigentümer
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Projektbeschreibung

Auf dem Gebiet der heutigen Rosenheimer Stammbeckenmoore erstreckte sich vor ca. 10.000 Jahren noch ein nacheiszeitlicher Schmelzwassersee. Nach Trockenfallen des Sees bildete sich hier über Jahrtausende einer der größten Moorkomplexe Bayerns und Süddeutschlands.

Moore bestehen aus unzähligen Torfmoosen und deren abgestorbenen Überreste, die Torf bilden. Diese Torfschicht aus Moosen wächst in natürlichem Zustand jährlich um ca. einen Millimeter in die Höhe. Wenn die obersten Torfschichten den Zugang zum Grundwasser verlieren und nur noch von Regenwasser gespeist werden entstehen Hoch- oder Regenmoore, in Bayern auch „Filze“ genannt. Im Rosenheimer Stammbeckenmoor wiesen die Hochmoore einst eine Mächtigkeit von bis zu 10 Metern auf.

Im 19. Jahrhundert begann der Mensch die riesigen Moorflächen im Rosenheimer Stammbecken zu nutzen. Sie wurden entwässert und der Torf großflächig abgebaut, zunächst als Brennmaterial und später zur Herstellung von Blumenerde. Da dadurch das Moor zunehmend trockenfiel, wurden moorspezifische Arten und Lebensgemeinschaften durch trockene Heiden und Moorwälder verdrängt. Auch artenreiche Streuwiesen auf Niedermoor wurden aufgrund intensiverer Nutzung in Intensivwiesen, Äcker, Brachen oder Forst umgewandelt.

Um Hochmoor- und Streuwiesenlebensräume dauerhaft zu sichern und das Europäische Schutzgebietsnetz „Natura2000“ zu erweitern wurden im Jahr 2000 zwei Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiete in den Rosenheimer Stammbeckenmooren gemeldet. Ein Jahr später, in 2001, folgte die Aufnahme von insgesamt 4.300 ha in das BayernNetz Natur-Projekt „Rosenheimer Stammbeckenmoore“, welches Naturschutzaktivitäten koordiniert. Um die herausragende Bedeutung der FFH-Flächen noch zu unterstreichen, wurde zwischen 2005 und 2010 von der Europäischen Union ein LIFE-Natur-Projekt in den Rosenheimer Stammbeckenmooren durchgeführt. Ziel von LIFE-Natur Projekten ist es, durch Förderung von Naturschutzmaßnahmen, Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten von „gemeinschaftlichem“ Interesse gezielt zu fördern und das Europäische Schutzgebietsnetz „Natura2000“ zu stärken. Somit ergänzen sich BayerNetz Natur und LIFE-Natur beispielhaft und tragen damit wirkungsvoll zu einem Lebensraumverbund in Bayern, Deutschland und Europa bei.

Im Zuge der Renaturierung wurden in den Rosenheimer Stammbeckenmoore Entwässerungsgräben alter Frästorfstiche verschlossen und der Grundwasserspiegel angehoben. Insgesamt wurden durch die Renaturierung ca. 650 ha zusammenhängende Moorflächen in einen ökologisch günstigeren und natürlicheren Entwicklungszustand zurückgeführt. Dabei konnten Treibhausgasemissionen 15t/ CO2 –Äquivalente pro ha und Jahr eingespart werden. Seit dem extremen Hochwasserereignis im Jahr 2020 (HQ100), bei dem einige Dämme in den nördlichen Hochrunstfilzen beschädigt wurden, werden Optimierungsarbeiten im Rahmen des Klimaprogramms 2050 Bayern durchgeführt.

Die Renaturierung von Mooren dient nicht nur dem Schutz der Arten und ihrer Lebensräume, auch der Mensch profitiert unmittelbar:

Hochmoorrenaturierung wirken dem Klimawandel entgegen!

In trockengelegten Mooren wird Torf – ein fossiler Brennstoff – durch Mikroorganismen abgebaut. Dadurch wird viel des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. In renaturierten wiedervernässten Hochmooren wird im neu aufwachsenden Torf und in abgestorbenen Pflanzenteilen umgekehrt Kohlendioxid gebunden.

Hochmoorrenaturierung mindert das Hochwasserproblem!

In trockengelegter Hochmooren werden Regengüsse kaum gespeichert und fließen schnell über das Grabensystem ab. Renaturierte Hochmoore hingegen können große Niederschlagsmengen aufnehmen und geben das Wasser deutlich verzögert und gleichmäßiger an Bäche und Flüsse ab. Nicht nur Bäche und Flüsse, sondern auch der Mensch profitiert durch verringerte Hochwassergefahr und bessere Wasserversorgung während Trockenzeiten.

Hochmoore bieten ein unvergessliches Naturerlebnis!

In den Rosenheimer Stammbeckenmooren ist für Jung und Alt etwas geboten: Auf rund 1,5 Hektar Areal können Moor und Natur mit allen Sinnen erlebt werden. Attraktionen sind u.a. eine Vogelbeobachtungsstation, ein Aussichtstorfhügel, ein botanisches Gelände mit Hochmoorpflanzen, die ehemals für den Torfabbau genutzte Feldbahn, wassergefüllte Torfstiche und ein 650 m langer Bretterweg, der auch Rollstuhlfahrern freien Zugang ins Moor verschafft. Naturschutzgebiete in denen noch wiesenbrütende Vogelarten leben sollten nicht betreten werden. Wiesenbrüter sind insbesondere gegenüber Spaziergängern mit freilaufenden Hunde sehr störempfindlich und verlassen bei Störung ihre Brut. Die Besucher werden um freiwillige Rücksichtnahme gebeten.

Dokumente

LIFE-Naturprojekt-Rosenheimer-Stammbeckenmoore_Heft.pdfGröße 2154 KB
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