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Kultur- und Agrarlandschaften

Halboffene Weidelandschaft Oranienbaumer Heide – Wiederherstellung und Erhaltung von Heide- und Sandökosystemen

Sachsen-Anhalt

Der ehemalige Truppenübungsplatz Oranienbaumer Heide bei Dessau ist Teil des Biosphärenreservates Mittelelbe und aktuell eines der artenreichsten Gebiete in Sachsen-Anhalt. Vorkommen von FFH-Lebensraumtypen der Heiden und Magerrasen sowie von Vogelarten des Offen- und Halboffenlandes führten zur Meldung als NATURA-2000-Gebiet und zur Übertragung in das „Nationale Naturerbe“ der DBU Naturerbe GmbH.

Zur Wiederherstellung und Erhaltung der Biodiversität in den zu Projektbeginn stark degradierten Offenlandlebensräumen wurde durch die Hochschule Anhalt und die Primigenius gGmbH des NABU RV Köthen im Jahr 2008 eine extensive Ganzjahresweide eingerichtet und bis 2013 sukzessiv erweitert. Auf nunmehr 800 ha Fläche weiden Heckrinder und Konikpferde. Außerdem wurden in Kooperation mit dem Bundesforstbetrieb Mittelelbe auf insgesamt 555 ha Entbuschungsmaßnahmen durchgeführt.

Eine kontinuierliche Erfolgskontrolle durch die Hochschule Anhalt sowie die fortlaufende Anpassung der Beweidungsintensität sowie Umsetzung ergänzender Maßnahmen wie die einmalige Mahd überalterter Heidebestände durch die Primigenius gGmbH führten zu einer grundlegenden Verbesserung der Habitatstrukturen der FFH-LRT und der faunistischen Zielarten. Der Bestand des Ziegenmelkers hat sich von 15 auf 162 Brutreviere erhöht, inzwischen nisten auch 31 Brutpaare vom Wiedehopf im Gebiet. Seit Projektbeginn wurde nicht nur die Verbuschung, sondern auch das vormals dominante Land-Reitgras signifikant zurückgedrängt.

Konikpferde und Heckrinder

Details

Projektträger:
Hochschule Anhalt und die Primigenius gGmbH
Adresse:
Strenzfelder Allee, 28
06406 Bernburg (Saale)
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Projektbeschreibung

Mit Aufgabe der militärischen Nutzung nach der politischen Wende drohten die wertvollen Offenlandlebensräume und -lebensgemeinschaften durch fortschreitende Sukzession in der Oranienbaumer Heide zu verschwinden. Zu Beginn des Projektes im Jahr 2008 wiesen alle FFH-Lebensraumtypen vorwiegend einen schlechten Erhaltungszustand auf und waren u.a. durch das Fehlen offener Bodenstellen, eine zunehmende Verbuschung (u.a. Kiefer, Birke), Vergrasung und Ruderalisierung sowie durch eine starke Überalterung des Heidekrautes gekennzeichnet. Auch die invasive neophytische Spätblühende Traubenkirsche war bereits in Teilbereichen der Oranienbaumer Heide eingewandert. Ziel des Projektes war es diesen negativen Trends durch Wiederherstellungsmaßnahmen entgegenzuwirken, aber auch Lösungen für eine wirtschaftlich nachhaltige pflegliche Folgenutzung zu entwickeln.

Infolge der Einrichtung der Weidefläche im Jahr 2008 in Kombination mit ergänzenden Maßnahmen konnte eine Verbesserung lebensraumtypischer Habitatstrukturen von stark degradierten FFH-Offenlandlebensraumtypen und eine wirtschaftliche nachhaltige Folgenutzung erreicht werden. Durch großflächige Entbuschungsmaßnahmen (ca. 555 ha) wurden die im Gebiet vorkommenden FFH-Lebensraumtypen wieder freigestellt und somit eine Beeinträchtigung dieser durch Verbuschung deutlich reduziert. Weidebedingt nahm darüber hinaus der Offenbodenanteil als Keimungs- und Etablierungsnische für konkurrenzschwache und lichtbedürftige Pflanzenarten zu. Demgegenüber konnten hohe Streuakkumulationen sowie hohe Deckungen typischer Vergrasungs- und Ruderalzeiger (z.B. Land-Reitgras) seit Beginn der Weideeinrichtung deutlich reduziert werden. Dies führte zu einer Verbesserung der lebensraumtypischen Habitatstrukturen der FFH-Offenlandlebensraumtypen und ehemalige artenarme Landreitgras-Bestände konnten sich zu arten- und blütenreichen Magerrasen entwickeln.

In allen Lebensraumtypen konnte eine Erhöhung der Artenvielfalt bei den Gefäßpflanzen über die Dauer der Beweidung dokumentiert werden. So nahmen sowohl die Anzahl der Zielarten (lebensraumtypkennzeichnende und -charakteristische Arten, Rote Liste-Arten) als auch weitere typische Arten der Heiden, Sandrasen und mageren Säume zu. In ehemaligen stark von Landreitgras dominierten Bereichen fand ein gravierender Umbruch der Artenzusammensetzung statt: die mittlere Artenzahl erhöhte sich nach 12-jähriger Beweidung von durchschnittlich 17 Arten auf 46 Arten/25 m². Ehemalige artenarme Landreitgrasfluren konnten so zu deutlich artenreicheren Magerrasen entwickelt werden.

Seit Projektbeginn konnte eine deutliche Erhöhung der Brutreviere avifaunistischer Zielarten des Offen- und Halboffenlandes festgestellt werden, wie z. B. bei Ziegenmelker, Heidelerche und Schwarzkehlchen. Bemerkenswert ist zudem die Neuansiedlung des Wiedehopfes mit aktuell 31 Brutpaaren sowie des Steinschmätzers. Die positiven Wirkungen des Managements sind vor allem in der Entwicklung (halb-)offener Strukturen durch großflächige Entbuschungen, die Schaffung einer strukturreichen Krautschicht mit offenen Bodenstellen durch Beweidung sowie die Erhöhung der Arthropoden-Diversität (Nahrungsverfügbarkeit) und -Quantität durch den (medikamentenfreien) Dung der Weidetiere zu sehen. Das Ergebnis steht in drastischem Gegensatz zu dem seit den 80er Jahren fortwährenden Abwärtstrend bei den Feldvögeln der Agrarlandschaft (Farmland Bird Index).

Infolge der langjährigen Nutzungsaufgabe nach Abzug der sowjetischen Truppen befanden sich große Teile der Besenheide-Bestände in der Oranienbaumer Heide in der Degenerationsphase. Eine großflächige Verjüngung des überalterten Heidekrautes hätte allein durch die Beweidung sehr lange Zeiträume in Anspruch genommen. Aus diesem Grund wurden stark überalterte Heideflächen durch einmaliges Mähen oder Mulchen instandgesetzt was zu einer Verbesserung der Altersstruktur in den Heidebeständen führte.

Die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) ist eine aus Nordamerika stammende Baumart und zählt in Deutschland zu den invasiven Neophyten. Um eine weitere Ausbreitung der Art auf der Weidefläche zu verhindern, wurde eine deutliche Reduktion der neophytischen Spätblühenden Traubenkirsche im Gebiet angestrebt. Als ersteinrichtende Maßnahmen wurden dafür vor Beginn der Beweidung alle fruchtenden Exemplare auf der Weidefläche entkusselt. Anhand direkter Beobachtungen zum Fraßverhalten der Weidetiere und jährlich durchgeführter Untersuchungen zum Verbiss der an den Schnittstellen stark wiederaustreibenden Gehölzart konnte gezeigt werden, dass vor allem Heckrinder die Wiederaustriebe der Traubenkirschen effektiv verbeißen. Der intensive Verbiss führte zur Abnahme des Wiederaustriebvermögens, bis hin zum Absterben ganzer Individuen (86 % in 12 Jahren, n=60). Über das Weidemanagement kann die invasive Spätblühende Traubenkirsche demzufolge erfolgreich in Schach gehalten und damit die Artenvielfalt der Ökosysteme auf den beweideten Flächen erhalten werden.

Dokumente

Informationsflyer-komprimiert_2018.pdfGröße 2243 KB
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Praxisleitfaden_Oranienbaumer_Heide_2019_compressed.pdfGröße 5238 KB
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