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Gewässer und Auen

Naturschutzgroßprojekt „Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald“

Brandenburg
Der Spreewald ist eine einzigartige, von Fließen, Wiesen und Niederungswäldern geprägte Kulturlandschaft. Um den außergewöhnlichen Naturraum mit seiner vielfältigen Flora und Fauna zu erhalten und zu entwickeln, wurde in den Jahren 2001 bis 2014 das „Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald“ geplant und umgesetzt. Der Fokus lag auf der Aufwertung von Lebensräumen für Fische und andere Wasserbewohner. Dafür wurden ehemalige Fließe und Gewässerstrecken für die heimische Tier- und Pflanzenwelt reaktiviert, Wanderhindernisse für aquatische Organismen beseitigt, die Wasserverteilung optimiert und fließgewässertypische Strukturen geschaffen. Wasserrückhalt sorgt für die Verbesserung des Wasserspeichervermögens der Moorböden. Außerdem wurde durch den Erwerb von Flächen die Erweiterung der Kernzone des Biosphärenreservates Spreewald unterstützt. Die Projektschwerpunkte zielen auf typische Defizite an Fließgewässern in Niederungen ab und stehen beispielhaft für Auenrenaturierungen an kleineren und mittleren Wasserläufen.
Struktureinbauten Rittekanal

Details

Projektträger:
Während der Projektlaufzeit: Zweckverband Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald, bestehend aus den drei Landkreisen Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sowie den Städten Lübben und Lübbenau und dem Förderverein für Naturschutz im Spreewald /FÖNAS) e.V. Rechtsnachfolger seit 01.01.2015: Landkreis Dahme-Spreewald
Adresse:
Reutergasse 12
15907 Lübben (Spreewald)
Förderprogramme:
Förderprogramm "chance.natur – Bundesförderung Naturschutz", Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit über das Bundesamt für Naturschutz (72,5%), Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (20,5%), Zweckverband „Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald“ (7%)
Kooperationspartner:
Das Vorhaben wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Spreewald umgesetzt.
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Projektbeschreibung

Bereits Anfang der 1990er Jahre entwickelte der ehrenamtliche Naturschutz Ideen für die Umsetzung eines großflächigen, auf die Gewässerlebensräume des Spreewaldes ausgerichteten Naturschutzprojektes. 1998 gründete sich für dessen Umsetzung der „Zweckverband Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald“. Zwischen 2001 und 2003 konnte in einer ersten Förderphase ein Pflege- und Entwicklungsplan für die Region erstellt werden. Die darin erarbeiteten Maßnahmen wurden von 2004 bis 2014 umgesetzt.

Das Projektgebiet befindet sich mit einer Fläche von circa 23.000 ha innerhalb des Biosphärenreservates Spreewald. Maßnahmen des Projektes fanden fast ausschließlich im 8.500 ha großen Kerngebiet statt.

Beispielgebend für gefährdete Fließgewässerarten wurde die Quappe zum „Maskottchen“ des Projektes gewählt. Die Bestände des noch vor 100 Jahren in großer Menge vorkommenden typischen Spreewaldfisches waren durch menschliche Eingriffe in Natur und Landschaft in den letzten Dekaden bedrohlich dezimiert worden.

Im Zentrum der Umsetzungsphase des Projektes standen Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie und des Landschaftswasserhaushaltes, Flächenerwerb, Ausgleichszahlungen für Nutzungseinschränkungen, begleitet von einer umfassenden Öffentlichkeitsarbeit.

Folgende Maßnahmen wurden umsetzt:

- Altarmanschlüsse im Hauptstrom (6 Stück, Gesamtlänge 1,6 km)

Gewässerschlingen, die im vergangenen Jahrhundert vom Hauptlauf abgeschnitten wurden, erhielten wieder Anschluss an das Fließgeschehen. Eine Überlaufschwelle im begradigten Abschnitt sorgt dafür, dass der Hauptwasserstrom und der Bootsverkehr durch den Altarm umgeleitet werden. Im ehemaligen Durchstich unterhalb der Schwelle entstanden neue Stillwasserbereiche. Bei Hochwasser wird die Schwelle überströmt.

- Altarmanschlüsse im Nebenstrom (5 Stück)

Einige Altarme wurden entschlammt und ein- oder beidseitig wieder geöffnet, ohne dass der Hauptabfluss hindurchgeführt wird. Sie bilden wertvolle Rückzugsbereiche und Laichgewässer neben dem stärker frequentierten Hauptlauf.

- Einbau von Sohlschwellen (10 Stück)

In stark eingetiefte Gewässer wurden raue Sohlstrukturen eingebracht, um eine selbstständige Rückhaltung von Sediment zu erreichen und so langfristig das Profil zu verkleinern. Zusätzlich entstehen hier höhere Strömungsgeschwindigkeiten und Verwirbelungen, die gezielt von Fließgewässerarten aufgesucht werden. Die Befahrbarkeit der Fließe blieb erhalten.

- Aufwertung Kleingewässer (1 Stück)

Ein Kleingewässer wurde zu einem Amphibienlaichplatz umgestaltet.

- Verbesserung von Uferstrukturen (Gesamtlänge 13 km)

Mit Wasserbausteinen befestigte Uferbereiche wurden abschnittsweise „entfesselt“. Der Rückbau von Verwallungen (kleine, durch Ablagerungen der Unterhaltungsmaßnahmen entstandene Dämme entlang des Ufers) ermöglicht einen besseren Wasseraustausch mit den angrenzenden Flächen. Einbauten aus Totholz und Kies in künstliche, geradlinige Gewässerläufe beförderten die Gewässerdynamik.

- Herstellung von Fischaufstiegsanlagen (29 Stück)

Stauanlagen sind unüberwindbare Hindernisse für Fische und andere Wasserbewohner. Querbauwerke wurden deshalb zu ökologisch durchgängigen Bauwerken umgestaltet oder neu gebaut.

- Rückbau von Anlagen (5 Stück)

Nicht mehr benötigte wasserwirtschaftliche Anlagen wurden zurückgebaut. So konnten Rohrdurchlässe und Schöpfwerke ersatzlos entfernt werden, ein ehemaliges Nebengebäude wurde zum Fledermausquartier umgebaut.

- Errichtung von Brücken (18 Stück)

Rohrdurchlässe sind durch ihr enges Profil Wanderhindernisse für die Wasserfauna. Häufig sind sie stark verschlammt, es fehlt an geeignetem Sohlsubstrat und Licht. Sie wurden entfernt und durch Brücken oder Rahmenkanalbauwerke mit großem Durchflussprofil ersetzt.

- Wiederbelebung (Gesamtlänge 36km)

Verschiedene Fließstrecken wurden wieder an das Gewässernetz angeschlossen und/oder besser mit Wasser versorgt, um damit Gewässerlebensräume zurückzugewinnen.

- Steuerung von Fließsystemen, Wasserrückhalt

Um wertvolle Durchflussmengen in bestimmten Systemen zu halten und die Fließstrecke zu verlängern, wurden 4 „Kammerungen“ eingebaut. Durch weitere 7 Absperrungen mit Überlauf wird Wasser für Moorbildungen zurückgehalten. Für eine verbesserte Wasserversorgung von Moorflächen wurden 3 künstliche „Winterstaugebiete“ mit einer Gesamtfläche von 380 Hektar eingerichtet.

Außerdem wurden mit Projektmitteln rund 510 Hektar Fläche angekauft, davon etwa ein Drittel in den Naturentwicklungsgebieten zur Erweiterung der Kernzone des Biosphärenreservates. Weitere 65 Hektar konnten langfristig gepachtet werden. Deren Nutzung ist entweder vollkommen aufgegeben oder mit Auflagen versehen worden, die den Arten im Spreewald zugutekommen. Für 20 Hektar Grünflächen wurden Extensivierungsverträge mit Landwirten abgeschlossen und Ausgleichszahlungen für den zu erwartenden geringeren Ertrag geleistet. So wird sichergestellt, dass die entsprechenden Moorwiesen nur noch naturverträglich genutzt werden.

Dokumente

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