Lebendige Geschäftsstelle
Der Anglerverband Niedersachsen hat seit 2021 die zuvor monotonen und naturfernen Freiflächen seiner Geschäftsstelle in Hannover in Eigenregie der Mitarbeiter-/innen naturnah umgestaltet und so einen für zahlreiche Insekten, Amphibien und Vögel attraktiven Lebensraum geschaffen. Wo zuvor monotoner Rasen, akkurate Schnitthecken und nicht heimische Gehölze das Bild prägten, sprießt nun das volle Leben: Vielfältige und vom Frühjahr bis in den Herbst blühende Stauden- und Wildblumenbeete, diverse Insektenhotels, Offenbodenbereiche, Igelburgen, naturnahe Teiche und heimische Sträucher, mehrere Obstbäume, viele Nistkästen und Fassadenpflanzen haben im Gewerbegebiet einen naturnahen Lebensraum geschaffen, der auch zu einer deutlichen Aufwertung des Arbeitsklimas und der Aufenthaltsqualität für die Mitarbeiter/-innen der Geschäftsstelle sorgt. Bemerkenswert ist die hohe Artenvielfalt an Insekten und Amphibien, die sich innerhalb kürzester Zeit in dem neuen Garten angesiedelt hat. Das Projekt hat gezeigt, dass es mit relativ geringem Aufwand und dem Mut zu etwas mehr "Unordnung" auch im urbanen Umfeld möglich ist, kleine, wertvolle Oasen der Artenvielfalt mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen - ein Beispiel für viele andere Gewerbeflächen, die nach wie vor ein zumeist ein trostloses und naturfernes Dasein fristen.

Details
- Projektträger:
- Anglerverband Niedersachsen e.V.
Projektbeschreibung
Anlass und Ziele
Der Anglerverband Niedersachsen ist seit 2017 Inhaber einer Immobilie in Hannover in einem Gewerbegebiet, die als Geschäftsstelle für aktuell 11 Mitarbeiter dient. Das Grundstück umfasst rund 1.100 m² Freifläche sowie 1.900 m² Gebäude/versiegelte Fläche. Die Freiflächen waren geprägt durch artenarme Rasenflächen, die im Randbereich durch nicht heimische Bodendeckergehölze, Schnitthecken und kleine Solitärgehölze eingefasst waren. Insgesamt vermittelte das Grundstück einen monotonen Grünflächencharakter mit geringer Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität und bot aufgrund der naturfernen Gestaltung Tieren und Pflanzen nur einen bedingt geeigneten Lebensraum.
Mit der vorliegenden Planung sollten die gestalterische Qualität und die Eignung des Grundstücks als Lebensraum heimischer Tiere (insb. Insekten) und Pflanzen nachhaltig verbessert werden. Außerdem sollten die neu gestalteten Freiflächen das Arbeitsklima/-umfeld verbessern und attraktive Pausenbereiche für die Mitarbeiter und Teilnehmer von Seminaren bieten.
Ziel der Planung war eine naturnahe und gestalterisch ansprechende Neugestaltung der Freiflächen nach folgenden Gestaltungsgrundsätzen:
• Vielfalt statt Monotonie, ansprechende Gestaltung statt Langeweile
• Leitmotive des Anglerverbandes, wie Wasser, Artenvielfalt, Naturschutz, Nachhaltigkeit, gutes Arbeitsklima etc. sollten aufgegriffen werden.
• Die Aufenthaltsqualität der Freiflächen sollte gesteigert und Ruhe- und Pausenplätze geschaffen werden, die Freiflächen sollten auch visuell positiv auf die Büroarbeitsplätze wirken.
• Vielfältige Insekten-Lebensräume, v.a. für Wildbienen, mit Blütenreichtum vom Frühjahr bis in den Herbst
• Schaffung von Wasseroasen als Lebensraum und Tränke im stark versiegelten Umfeld
• Schaffung von Nisthilfen und Schlaf-, Überwinterungs- und Rückzugsquartieren für Vögel, Fledermäuse, Insekten, Reptilien und Kleinsäuger
• Fassadenbegrünung und Pflanzung von schmalkronigen Gehölzen, um Überhitzung entgegenzuwirken und vertikale Kleinlebensräume zu schaffen
• Die Pflanzenauswahl sollte standortgerecht, möglichst heimisch, pflegeleicht und bunt sein und Nahrungsquellen für Insekten & Vögel bieten.
• Vorhandene naturnahe Strukturen sollten erhalten, standortfremde Gehölze möglichst entfernt und durch naturnahe Pflanzungen ersetzt werden.
• Soweit möglich, sollte die Versickerung gefördert und Teilentsiegelungen vorgenommen werden.
• Der Eingangsbereich sollte als Visitenkarte des Anglerverbandes optisch besonders ansprechend gestaltet werden.
Maßnahmenumsetzung
Seit Ende 2020 wurden in Eigenregie Gestaltungs- und Pflanzpläne erstellt. Dem war ein monatelanger Brainstormingprozess vorausgegangen, in dem gemeinschaftlich viele Ideen gesammelt wurden. Am Ende stand ein Plan, der von der Geschäftsführung und dem Team gemeinsam getragen wurde. Auch die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte zu großen Teilen in Eigenregie durch Mitarbeiter/-innen und die FÖJler.
Im Frühjahr 2021 startete das Projekt mit der Rodung von ca. 120 m² überwiegend nicht heimischen Gehölzen. Der stark lehmhaltige Boden im Bereich der Freiflächen war durchgehend stark verdichtet und musste vor der Neugestaltung tiefgründig maschinell gelockert werden. Anschließend wurden unterschiedliche Staudenbeete angelegt und mit standortgerechten, insektenfreundlichen, möglichst heimischen und/oder besonders insektenfreundlichen Stauden bepflanzt, die vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrungstracht für Insekten bieten. Die Staudenbeete wurden ergänzt mit Frühblühern sowie strukturgebenden Kleinsträuchern, Obstbäumen und Wildrosen. Außerdem wurde in einem sonnenexponierten Bereich ein Offenboden-Habitat für gefährdete Wildbienen geschaffen. Die vorher artenarmen, verdichteten Rasenflächen wurde teilweise mit artenreichen und standortgerechten Magerrasen neu angesät und seitdem nur extensiv gepflegt. Weiterhin wurden drei Teiche angelegt, die sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Lebensraum und Laichhabitat zahlreicher Amphibien und Libellen entwickelten. Unzählige Vögel und Kleinsäuger nutzen den Teich als Tränke im wasserarmen Gewerbegebiet. Die naturnahe Gestaltung der Freiflächen wurde durch die Anlage einer Reihe von Sonderbiotopen (Insektenhotels, Eidechsenburgen, Benjeshecken, Trockenmauern ergänzt. Weiterhin wurden über 30 Nistkästen und Schlafhöhlen für Vögel und Fledermäuse installiert. Schließlich wurden noch zahlreiche Kletterpflanzen an die Fassade gesetzt.
Fazit:
Das Projekt Lebendige Geschäftsstelle
- hat zu einer deutlichen gestalterischen Aufwertung der Freiflächen der Geschäftsstelle geführt,
- bietet nun zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen attraktiven Lebensraum und allen Mitarbeitern ein angenehmes und anregendes Arbeitsumfeld
- und hat gezeigt, wie viel naturschutzfachliches und gestalterisches Aufwertungspotential auch kleine Gewerbeflächen innehaben, wenn man bereit ist, etwas Wildnis abseits von Schnitthecke und Golf zu wagen.













