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Gewässer und Auen
EU-LIFE-Projekt "Orsoyer Rheinbogen im Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein"
Nordrhein-Westfalen
Der Orsoyer Rheinbogen ist eine Auenlandschaft, die im Westen Nordrhein-Westfalens zwischen Ruhrgebiet und niederländischer Grenze liegt und Teil des EU-Vogelschutzgebietes „Unterer Niederrhein“ ist. Hier kommen noch seltene und geschützte Tiere und Lebensraumtypen wie Rotschenkel, Uferschnepfe und Flachland-Mähwiesen vor.
Die Habitate der Flussaue haben jedoch hier wie fast überall entlang des Niederrheins an ökologischer Wertigkeit verloren. Durch Absenkung des Grundwasserspiegels und Intensivierung der Landwirtschaft sind sie zunehmend trocken und strukturarm geworden.
Das Projekt zielte darauf ab, wieder mehr Feuchtigkeit in die Aue zu bringen, um die lokalen Populationen von Wiesenvogelarten zu stabilisieren und zu vergrößern. Die Anlage von Blänken und die Einführung einer grünlandvogelgerechten Bewirtschaftung schaffte Lebensraum für diese Arten. Weiterhin wurden Flachgewässer angelegt, wo Amphibien, Wasservögel, Insekten und Jungfische Nahrung und Rückzugsräume finden. Die Optimierung von Ufern bereits vorhandener Gewässer war gleichfalls eine geeignete Maßnahme zur Wiederherstellung des Ökosystems Aue. Auf weiteren Flächen wurde eine extensive Hudebeweidung zum Erhalt eines auentypischen Strukturmosaiks eingeführt. Mit der Entwicklung von Flachland-Mähwiesen wurden bedrohte Pflanzenarten gestützt.
Der Grunderwerb von 93 ha Fläche im Rahmen des Projekts sichert dabei auch langfristig die angestoßene Entwicklung zu einem funktionierenden Auenökosystem im FFH-Gebiet.
Grünland mit GewässerstrukturFoto: Biologische Station im Kreis Wesel e.V.
Details
- Projektträger:
- Biologische Station im Kreis Wesel e.V.
- Adresse:
- Freybergweg 9
46483 Wesel - Förderprogramme:
- EU-LIFE-Programm
Projektbeschreibung
Anlage von Blänken und grünlandvogelgerechte Bewirtschaftung
Viele Wiesenvögel können nur dort leben, wo sie Nahrung für sich und ihre Jungen in ausreichender Menge finden. Die Schnäbel der Watvögel beispielsweise sind dafür gemacht, im Boden zu stochern, was im trockenen, harten Boden nicht möglich ist. Auch allzu dicht bewachsene Flächen mit verfilzter Vegetationsauflage sind ungeeignet. Feuchte, offene und „stocherfähige“ Böden sind essentiell für Wiesenvogellebensräume. Eine zentrale Maßnahme war daher die Anlage von 17 Blänken. Diese flachen Mulden sind zeitweise, überwiegend im Frühjahr/Frühsommer und Winter mit Wasser gefüllt oder ihr Boden ist zumindest wassergesättigt. Hierfür wurde zunächst der Oberboden abgetragen und zwischengelagert und dann die Mulden auf eine Tiefe von 30-40 cm flach ausgeschoben. Mit dem Aushubmaterial wurden zur Reliefgestaltung randlich sehr niedrige Wälle mit extrem flacher Neigung angelegt. Abschließend wurden Mulden und Wälle mit dem zwischengelagerten Oberboden abgedeckt. Die darin enthaltenen Pflanzensamen blieben dadurch für den Standort erhalten. Zusätzlich wurde eine der Überflutungsdynamik angepasste Saatgutmischung aufgebracht. Typisches Merkmal ist auch, dass die Blänken in die Grünlandfläche komplett integriert sind und damit auch landwirtschaftlich genutzt werden. Die Einführung einer grünlandvogelgerechten, extensiven Bewirtschaftung war deshalb wichtiger Teil der Projektmaßnahmen. So wurden Weidezäune gezogen, Pumpen für Viehtränken gesetzt und Fanggatter angeschafft. Zum Aufbau einer Wasserbüffel-Herde wurden die ersten Tiere erworben, die inzwischen mehrfach Nachwuchs hatten. Mit den Bewirtschaftern wurden Pachtverträge abgeschlossen, die sowohl die Brutvögel schützen, als auch den Landwirten eine sinnvolle Nutzung der Flächen ermöglicht.
An anderer Stelle wurde eine Bewirtschaftungsform eingeführt, die in der Flussaue ein Strukturmosaik aus unterschiedlich alten Auwaldbereichen, Totholz, staudenreichem Offenland und feuchten Lichtungen erhält bzw. schafft: Hier werden Rinder und Pferde als Weidetiere in einer extensiven Form der Hudebeweidung eingesetzt. Durch den Verbiss von Sträuchern kommt Licht in Gebüschbereiche, so dass auch lichtliebende Pflanzenarten eine Chance haben. Durch den Tritt der Huftiere entstehen vegetationsarme Stellen, bereits vorhandenes Grasland bleibt erhalten statt zu verbuschen. Unterschiedlichste Pflanzenarten finden so ihre Nische und mit ihnen Tiere zahlreicher Gruppen – von Bodenorganismen und Insekten bis hin zu Vögeln, von Totholzbewohnern bis zu Kleinsäugern. Insgesamt werden heute rund 30 ha Fläche im Projektgebiet auf diese Weise beweidet.
Anlage von Flachgewässern
Es wurden drei Flachgewässer mit Größen zwischen 1300 und 3000 Quadratmetern angelegt. Die gut 1,5 m tiefen Kleingewässer werden durch Hochwasser und Niederschläge gespeist sowie über das Qualmwasser auch vom Rhein beeinflusst. Sie sind unentbehrlicher Bestandteil des Lebensraumes von Wasservögeln, Amphibien, Fischen und Insekten. Flache Uferbereiche sorgen dafür, dass Gründelenten wie Knäk-, Löffel- und Schnatterente hier satt werden und ihre gut versteckten Nester bauen können. Frösche, Kröten und Molche können zwischen Winterlebensraum/Tagesversteck (Land) und Sommerlebensraum/Fortpflanzungs- bzw. Nahrungshabitat (Wasser) wechseln. Auch sind die Kleingewässer Rückzugsraum für Rheinfische, denn gerade die Jungfische bringen sich gerne bei ablaufendem Hochwasser hierher vor größeren Raubfischen in Sicherheit.
Artenreiche Wiesen
Es wurden insgesamt 17,3 ha artenreiche Wiesen an 4 Standorten auf den Weg gebracht. Durch Anfräsen oder Eggen wurde der Boden vorbereitet und anschließend eine spezielle Mischung eingesät: Von zertifizierten Herstellern wurde regionales Saatgut geliefert und in geeigneter Artenzusammensetzung gemischt, eine Auswahl von Hand gesammelter Samen von sehr selten gewordenen Arten aus dem Kreis Wesel hinzugefügt. In der Saatmischung sind unter anderem 18 Arten der Roten Liste NRW zu finden. Punktuell wurden außerdem vorgezogene Pflänzchen eingesetzt. Eine angepasste, extensive Bewirtschaftung sichert die zukünftige Entwicklung und Ausdehnung der Wiesen.
Weitere Maßnahmen
Ein Teilstück einer ehemaligen „Panzerstraße“ wurde abgetragen. Die so entstandene wannenartige Struktur hat sich mit Sedimenten gefüllt und wurde von Stauden und Gräsern spontan besiedelt. Dadurch werden auch sensible Bereich ruhig gestellt und ihre Bewohner geschützt.
Schließlich war es darüber hinaus ein Anliegen, die Bevölkerung über die einzigartige Natura 2000 - Landschaft zu informieren und das Verständnis für die Schutzziele zu wecken. Mit Infotafeln, Exkursionen, Newslettern, einer Projekthomepage und einem anschaulichen Laienbericht wurde dieses Ziel verfolgt.


