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Renaturierungsprojekte
VIA Natura 2000-Vernetzung für Insekten in der Agrarlandschaft zwischen Natura 2000-Gebieten in Thüringen
Thüringen
Blütenreiche Saumstrukturen, wie Weg- und Feldraine aus heimischen Wildpflanzen, sind typische Elemente historischer Kulturlandschaften.
Während der letzten Jahrzehnte sind diese Randstrukturen selten geworden und vielerorts völlig verschwunden. Ebenso befinden sich viele bestäubende Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen in Thüringen und weltweit im starken Rückgang.
Eine Antwort des Projektes „VIA Natura 2000“ darauf ist das Anlegen und Wiederherstellen blütenreicher, dauerhafter Feldraine für Insekten in der Agrarlandschaft. Sie sind von herausragender Bedeutung für bedrohte Bestäuber, da sie in kurzer Zeit die Artenvielfalt in Agrarlandschaften erhöhen können! Auch Feldvögel, Feldhasen und Feldhamster profitieren von ihnen. Mit ihrer Struktur tragen sie zum Biotopverbund, der Stabilisierung von Populationen, zum Erosionsschutz und Wasserrückhalt in der Landschaft bei. Feldraine sind Lebensadern in der Agrarlandschaft und verdienen jetzt eine Wiederentdeckung.

Schwalbenschwanz-Blütenbesuch im VIA Natura-FeldrainFoto: Nils Heinrich
Details
- Projektträger:
- Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT)
- Förderprogramme:
- Das Projekt „VIA Natura 2000“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert. Drittmittel werden vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forstenbereitgestellt. Das Gesamtfinanzvolumen beträgt 5,64 Mio €.
- Kooperationspartner:
- Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser e.V. als Träger der Natura 2000-Station Südharz/Kyffhäuser, Wildtierland Hainich gGmbH als Trägerin der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld, Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V. als Träger der Natura 2000-Station Mittelthüringen/Hohe Schrecke, Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V. als Trägerin der Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis, Landschaftspflegeverband Altenburger Land e.V. als Träger der Natura 2000-Station Osterland, U.A.S. Umwelt- und Agrarstudien GmbH
Projektbeschreibung
"VIA Natura 2000" setzt vier Projektziele und Maßnahmen mit folgenden Ergebnissen um:
1. Entwicklung von min. 55 ha strukturreicher Saumbiotope (Feldraine) für Bestäuber zur Verbesserung des Biotopverbundes und Erhöhung der Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft in den 5 Projektregionen Südharz/Kyffhäuser, Unstrut-Hainich/Eichsfeld, Mittelthüringen/Hohe Schrecke, Gotha/Ilm-Kreis und Osterland
Maßnahmen:
• Erfassung und Analyse der derzeitig im Projektgebiet vorhandenen Saumbiotope zur Ableitung des Handlungsbedarfs bei der Planung neu anzulegender Feldraine
• Erstellung von Saatgutlisten aus über 30 geeigneten, heimischen Wildpflanzen für Feldraine und Bestäuber
• Flächenakquise durch regionale Praxisakteure der 5 Natura 2000-Stationen: Vorstellung des Bestäuber-Projekts bei Kommunen, Landwirten, Kirchenkreisen, regionalen Akteuren, Schulen ...sowie anschließende Umsetzung und Begleitung mit Vermessung, Anlage, Aussaat und Pflege
Ergebnis: Anlage von bisher über 65 ha Feldrainen
2. Sicherung bzw. Verbesserung der Ökosystemdienstleistungen durch Erhöhung der Arten- und Individuenzahlen von Pollinatoren in intensiv genutzten Agrarlandschaften Thüringens
Maßnahmen: siehe 1., außerdem:
• Floristisches Monitoring zur Pflanzenentwicklung der Feldraine,
• Faunistisches Monitoring für Wildbienen und Schwebfliegen,
• Tagfalter-Monitoring als Citizen Science in Kooperation mit dem UFZ
Ergebnis: Feldraine wirken schnell, sowohl die Flora und insbesondere die Wildbienen-Fauna betreffend!
Von 2021 - 2024 wurden insgesamt 244 Wildbienen-Arten nachgewiesen, was mehr als der Hälfte der in Thüringen zu erwartenden Wildbienen entspricht, darunter 45 bedrohte Arten der Roten Liste Thüringens und 33 der Roten Liste Deutschlands.
Die Feldrain-Strukturen wirken sich positiv auf viele weitere Pflanzen und Tiere aus: So konnte bspw. die stark gefährdete Rote Liste-Art "Sommeradonisröschen" in den Feldrainen gefunden werden, aber auch die sich im Rückgang befindlichen Schmetterlinge, Feldhasen und Feldvögel tauchten plötzlich wieder mit den Feldrainen auf und sogar der stark vom Aussterben bedrohte Feldhamster konnte nachgewiesen werden. Sie alle profitieren von den dauerhaften und ungespritzten Feldrain-Strukturen mit ihren nährstoffreichen, gesunden Wildkräutern und den Insekten.
3. Erarbeitung und Vermittlung regional angepasster Entwicklungs- und Pflegeempfehlungen für die Neuanlage und den Erhalt von strukturreichen Saumbiotopen in der Agrarlandschaft
Maßnahmen: Beobachtung, Auswertung und Abstimmung bzgl. der Feldrain-Entwicklungen
Ergebnis: Praxisleitfaden
4. Sensibilisierung der regionalen Akteure für die Bedeutung von Saumbiotopen für den Biotopverbund und den Wert dieser Strukturen für den Erhalt und die Erhöhung von Ökosystemdienstleistungen in der Agrarlandschaft
Maßnahmen/Ergebnisse:
• Homepage, Flyer, Social Media, Newsletter, Pressearbeit
• Fotowettbewerbe, Ausstellung
• Veranstaltungen: Workshops, Tagungen, Vorträge ...
• Veröffentlichungen









