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Renaturierungsprojekte

BeesUp (Teilprojekt Ökologie)

Niedersachsen
In Braunschweig summt’s! Mit einem Potpourri aus Maßnahmen wurde Braunschweig in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern zu einer wahren Bienenstadt aufgewertet. Blühstreifen, Staudenpflanzungen, Straßenbahngleis-Begrünungen, ein riesiges Gründach und Nistmöglichkeiten verwandelten die mitteldeutsche Großstadt in einen attraktiven Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten. Die Maßnahmen wurden wissenschaftlich begleitet und evaluiert. 237 Wildbienenarten konnten in Braunschweig nachgewiesen werden - 60% der in Niedersachsen bekannten 395 Arten. Da Wildbienen für Laien sehr schwer zu unterscheiden sind, wurde eine interaktive Wildbienenbestimmungsfunktion erstellt. Aus den Erkenntnissen wird ein digitales Planungswerkzeug entwickelt und kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies soll Stadtplanern und der breiten Bevölkerung ermöglichen, ohne umfassendes Fachwissen die artspezifischen Wildbienenbedürfnisse bei Gestaltungen zu berücksichtigen und so Wildbienen flächendeckend zu schützen.
Staudenmischpflanzung an der Paulikirche in BraunschweigFoto: Henri Greil, JKI

Details

Projektträger:
Julius Kühn-Institut (Bienenschutz)
Förderprogramme:
Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN)
Kooperationspartner:
Technische Universität Ilmenau, Prof. Dr. Patrick Mäder & Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Robert Paxton

Projektbeschreibung

Mitten in Deutschland liegt Braunschweig – eine typische deutsche Großstadt, die sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt hat: Als „Bienenstadt“ möchte sie Vorreiter für andere Städte sein, um Wildbienen in urbanen Räumen zu schützen und fördern. Hierzu wurden fünf Saatgutmischungen aus heimischen Wildpflanzen entwickelt, die die Nahrungsbedürfnisse zahlreicher Wildbienenarten abdecken und an lokale Standortbedingungen angepasst sind. Seit 2020 wurden mit den Mischungen 51 Blühflächen mit einer Gesamtfläche von 50 ha im gesamten Stadtgebiet angelegt. Eine Mischung wurde speziell für Dachflächen entwickelt und auf dem Parkhausneubau des Klinikums Braunschweig mit einer Gesamtfläche von 6500 m² eingesät. Und auch beim ÖPNV wurde nicht Halt gemacht. Eine weitere Saatgutmischung wurde für die Gleisanlage der Stadtbahn entwickelt und auf zwei Gleisabschnitten ausgesät. Als wäre das noch nicht genug, wurden neben den Blühmischungen 17 Staudenmischpflanzungen angelegt. Diese wurden nach den Nahrungsansprüchen oligolektischer Wildbienenarten konzipiert und bieten Nistmöglichkeiten für bodennistende Wildbienen. Zudem wurden Nisthilfen für hohlraumbesiedelnde Wildbienenarten konzipiert und 2022 an 54 Standorten aufgestellt. Doch nicht nur Bestäuber wie Wildbienen profitieren von den Maßnahmen, auch zahlreiche andere Tiere. So werden die Blühstreifen erst im Frühjahr gemäht, sodass die Pflanzensamen als Futterquellen für Vögel dienen. Durch die Durchgrünung des Stadtbereiches wurde auch die Lebensqualität der Anwohner verbessert. Neben den ästhetischen Aspekten dienen die Blühflächen auch der Regulation von Temperaturextremen. Bei der Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen lag ein großer Fokus auf einem partizipatorischen Ansatz und der Einbeziehung der Stadtgesellschaft. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte in enger Kooperation mit dem Fachbereich Stadtgrün und über 25 Partnern, darunter Wohnbaugesellschaften, der Braunschweiger Verkehrsgesellschaft und Naturschutzorganisationen. Die Projektfortschritte wurden regelmäßig medial begleitet und so die Öffentlichkeit durch Zeitungsartikel, in sozialen Netzwerken, durch Interviews in Radio, Fernsehen und Zeitschriften miteingebunden. Auf öffentlichen Veranstaltungen (Naturaktivtage, Aktionstage Natur usw.) und im Netzwerk Natur BS wurde das Projekt regelmäßig vorgestellt und Wissen zu Wildbienen und deren Schutz vermittelt. Analog zu der Pflanzenbestimmungs-App Flora Incognita wurde eine Wildbienenbestimmungsfunktion entwickelt, um die sehr schwer zu bestimmenden Wildbienenarten zu unterscheiden. Aus den Erkenntnissen der Maßnahmen in Braunschweig wird ein digitales Planungswerkzeug entwickelt und kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies soll Stadtplanern und der breiten Bevölkerung ermöglichen, ohne umfassendes Fachwissen die artspezifischen Wildbienenbedürfnisse, die Nutzung und Standortbedingungen bei Gestaltungen zu berücksichtigen und so bundesweit zahlreiche Flächen für den Wildbienenschutz zu aktivieren.

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