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Stadtnatur - Aktivierung
MehrArtenRäume Solingen
Nordrhein-Westfalen
MehrArtenRäume Solingen macht urbane Grünflächen lebenswerter für Insekten und ihre menschlichen Nachbarn
Der Rückgang der Artenvielfalt ist das Thema dieser Generation. Das Bundesförderprojekt MehrArtenRäume Solingen (MARS) ist ein Insektenschutzprojekt, bei dem fünf innerstädtische Freiflächen ökologisch und soziokulturell aufgewertet wurden – in jedem Bezirk entstand eine Pilotfläche. Ein MehrArtenRaum. Dadurch wird eine neue Typologie öffentlicher Raum geschaffen – Ein Begegnungsraum Urbaner Vielfalt.
Als wahre Alleskönner verbessern die MARS die Luftqualität, fördern die Biodiversität und tragen zur Klimaanpassung bei, indem sie als natürliche Kühlzonen dienen und dort Regenwasser versickern kann. Gleichzeitig entstehen Orte der Gemeinschaft, zur Begegnung, zum Aufenthalt, zum Austausch, zur Erholung, zum Entdecken, Lernen und Erleben. Dadurch steigern sie das Wohlbefinden und die Lebensqualität im Quartier. Alle MARS befinden sich in Potenzialquartieren - Bereiche der Stadt, die eine geringe Grünausstattung aufweisen und sich bis 2050 zu Hitzeinseln entwickeln.
Die MARS wurden partizipativ von einem breiten Querschnitt der Gesellschaft entwickelt. Von der Auswahl der Pilotfläche, über die Gestaltung und die Erarbeitung einer Naturbox mit Umweltbildungsmaterial bis zur Nutzung und Pflege. Entworfen und realisiert durch vulnerablen Gruppen der Stadtgesellschaft im Quartier.

MARS / SchildFoto: Marie Mostert
Details
- Projektträger:
- Klingenstadt Solingen
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Projektbeschreibung
Insekten sind klein, jedoch unentbehrlich für unsere Ökosysteme. Durch die Entwicklung insektenfreundlicher Räume im öffentlichen Stadtgebiet wird das Thema in die breite Zivilgesellschaft transportiert. Dabei waren Beteiligungsprozesse und Mitwirkungsmöglichkeiten, insbesondere für Kindergärten, Schulen, Anwohnende, Vereine, soziale Einrichtungen und andere vulnerable Gruppen im Bezirk, Teil des gesamten Planungsprozesses – Von der Flächenauswahl über die Planung der Gestaltung und Umsetzung bis zur Nutzung und Pflege. Die MARS sind ein gesellschaftliches Experiment, denn bei Projektstart ist nicht bekannt, WELCHE Flächen WIE umgestaltet werden. Die Richtung wird erst im partizipative Prozess festgelegt und das Ziel ist anfangs unbekannt.
Die Entwicklung von öffentlichen Freiflächen in aktive Begegnungsräume der urbanen Freiraumnutzung ermöglichen alltägliche Naturerfahrungen, die das Bewusstsein für die biologische Vielfalt stärken.
Die MARS verfolgen drei Projektziele. Durch die ökologische Aufwertung der Pilotflächen wird der Lebensraum einer bezirkstypischen Insektenart verbessert. Dazu wurde jeweils eine charakteristische Insektenart herausgegriffen, die den naturräumlichen und bezirklichen Rahmenbedingungen ein Gesicht gibt.
Neben der ökologischen Flächenentwicklung wurde additiv eine themenspezifische Naturbox konzipiert, die der zielgruppengerechten Vermittlung der Bedeutung von Insektenvielfalt dient und zum Naturerleben beitragen kann. Diese Forscherkisten enthalten Material zur Bildung nachhaltiger Entwicklung (BNE) und ergänzen den jeweiligen MARS passgenau. Sie stehen zentral auf jeder Pilotfläche, sind mit Erdankern verankert und mit Zahlenschlössern gesichert. Alle Interessierte Bürgerinnen und Bürger oder Gruppen können den Code für die Zahlenschlösser bei der Unteren Naturschutzbehörde erfahren.
Die aktive Einbindung der lokalen Bevölkerung in den praktischen Insektenschutz vor Ort, schafft Identifikation mit der Natur vor der eigenen Haustür, gesellschaftliche und ökologische Teilhabe.
Zu Beginn des Projektes wurde für jeden Bezirk eine Netzwerkgruppe gebildet. Diese Netzwerkgruppen bestehen aus Multiplikatoren, wie Lehrende und Erziehende, Vertretende von Umweltverbänden und sozialen Einrichtungen. Die Netzwerkgruppen wählten die Pilotflächen für jeden Bezirk in anonymen Abstimmungen aus. Für diese Abstimmung wurden mögliche Flächen in einer Vorauswahl geprüft. Die Flächen der Vorauswahl erfüllten bestimmte Voraussetzungen: Sie mussten in städtischem Besitz sein, sowie ein hohes Potenzial an ökologischer und sozialer Aufwertung aufweisen. Unter anderem wurde die Anzahl an sozialen Einrichtungen in einem Umkreis von 300 m, 500 m und 1000 m geprüft, um möglichst viele Personen vulnerabler Gruppen im wohnungsnahen Umfeld ansprechen zu können.
Die Gestaltung der Pilotflächen wurde ebenfalls partizipativ gestaltet. Das Projektteam besuchte jede Pilotfläche und bot ein aktives Mitmachprogramm vor Ort an. Für diese Mitmachtreffen wurde über Zeitungsartikel, Instagram, die Projektwebsite, Briefkasteneinwurf und über den Mailverteiler geworben.
Für jede Pilotfläche wurde ein Konzept erstellt, um die neue Schnittstelle zwischen Insekten und Menschen zu strukturieren. Die Konzepte beschreiben Bereiche, die zum Spielen, Entdecken, Lernen und zum Aufenthalt gedacht sind, sowie Bereiche, die exklusiv für Insekten und für Menschen unzugänglich sind. Die Teilflächen der unterschiedlichen Funktionen sind unter anderem durch Zäune, Anpflanzungen oder andere visuelle Grenzen voneinander getrennt. Die Verbindung zwischen Natur und Mensch wird durch das Kommunikationskonzept und die Naturbox geschaffen.
Die fünf Pilotflächen sind von ihrem Landschaftstyp, ihrer Größe und ihren bisherigen Freiraumfunktionen allesamt unterschiedlich. Aufgewertet wurden eine innerstädtische Gebrauchsrasenfläche, ein Park, ein Stadtbiotop, eine Weide und eine Obstwiese. Auf allen Pilotflächen wurde für die ökologische Aufwertung das Blühangebot heimischer Kräuter, Stauden, Sträucher und Bäume erhöht. Zusätzlich wurden insektenfreundliche Elemente, wie Totholzstämme, Totholzhaufen, lehmige Sandflächen, offene Bodenflächen und Nistkästen eingebracht. Die Aufwertungen wurden von lokalen Unternehmen durchgeführt.
Es wurden ungewöhnliche Akteurskonstellationen geschaffen und vernetzt. Die Netzwerkgruppen wachsen stetig und mit den neuen Akteuren entstehen neue Ideen und Synergien. Einrichtungen, Vereine und Initiativen kommen in den MARS zusammen, die ohne dieses Projekt keine Schnittstelle besaßen.
Durch die Entwicklung der MehrArtenRäume werden die Themen Insektenschutz, Artenvielfalt und Stadtnatur in die Zivilgesellschaft transportiert und bürgerschaftliches Engagement für den Naturschutz angeregt.
Gerade für Kinder und Jugendliche ist Rausgehen und Kontakt zur Natur vor der Haustür von wesentlicher Bedeutung für ein gesundes Aufwachsen. Und nur was man kennt und liebt, kann man schützen.





