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Gewässer und Auen
Wälder

Life "Patches & Corridors" - Entwicklung eines Habitatnetzwerkes für den Blauschillernden Feuerfalter

Nordrhein-Westfalen

Im Schutzgebiet für Fauna, Flora und Lebensräume (FFH) „Oberlauf der Rur“ wurden im Zeitraum 2017-2025 zahlreiche Naturschutzmaßnahmen durchgeführt. Leitart des Vorhabens war der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle). Dieser Schmetterling ist in Europa überaus selten und wird auch in Deutschland nur noch in wenigen Regionen angetroffen. Durch den Erhalt bestehender und die Schaffung neuer Lebensräume wie Feuchtwiesen und Auwälder wurde neben dem urwüchsigen Landschaftsbild der Eifel auch deren wertvolle Artenvielfalt gefördert.

Von Fichten freigestellter TalhangFoto: Biologische Station StädteRegion Aachen e.V.

Details

Projektträger:
Biologische Station StädteRegion Aachen e.V.
Adresse:
Zweifaller Straße 126
52224 Stolberg
Förderprogramme:

EU-LIFE Förderprogramm 2014-2020

Kooperationspartner:
Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
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Projektbeschreibung

Am 1. Januar 2017 ist das EU Naturschutz Projekt „Patches and Corridors“ von der Biologischen Station StädteRegion Aachen e.V. auf den Weg gebracht worden. Unter dem Dach des EU Fördertitels "LIFE" reihte es sich ein in eine Riege von 38 weiteren, in diesem Jahr europaweit gestarteten LIFE Projekten.

Der Ausgangszustand

Die Schutzgebiete in der Nordeifel werden zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil konventionell und naturfremd genutzt. Vorherrschend ist vielerorts die forstliche Bewirtschaftung mit Fichtenmonokulturen in Bachtälern, die natürlicherweise eine Vielzahl unterschiedlicher Laubwaldgesellschaften beherbergen würden. Ortsfernes, artenreiches Feucht- und Magergrünland ist aufgrund des landwirtschaftlichen Strukturwandels in den letzten Jahrzehnten brachgefallen, unterliegt der Dominanzbildung und damit dem Artenverlust. Das Vorhaben soll gefährdete Arten und Lebensräume in einer Reihe von Schutzgebieten der Nordeifel fördern.

Ein Schmetterling ebnet den Weg

Die Leitart des Projektes war ein europaweit gefährdeter Schmetterling, der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle). Im Raum Monschau-Simmerath gibt es eine ganze Reihe von Vorkommen, die Dank bereits erfolgter Schutzmaßnahmen im Bestand gesichert sind. Diese Vorkommen sind aber oftmals sehr isoliert voneinander, es findet kein Austausch von Faltern zwischen diesen Beständen statt. Mittelfristig kann das ein Problem werden. Zunächst für einzelne Bestände und letztlich für die gesamte Population. Das LIFE-Projekt hat gemäß seines Titels Trittsteinbiotope und Ausbreitungskorridore geschaffen und optimiert. Das heißt konkret, bestehende Feuchtwiesen und Auwälder wurden auf geeignete Art und Weise genutzt und für die heimische Natur ungeeignete Lebensräume wurden umgewandelt. Davon profitieren viele heimische und seltene Pflanzen- und Tierarten der Aue wie beispielsweise die Bergulme, der Biber (Castor fiber) oder der Schwarzstorch (Ciconia niger).

Projekt-Ziele

Die Vernetzung bestehender und potenzieller Lebensstätten des Blauschillernden Feuerfalters durch

- Entwicklung, Erweiterung und Optimierung natürlicher Wald- und Offenlandlebensräume der Auen, wie auetypische Laubwälder, Moorwälder, artenreiche Mähwiesen und feuchte Hochstaudenfluren.

- Sicherung bestehender, bisher nicht ausreichend geschützter Vorkommen des Blauschillernden Feuerfalters durch Grunderwerb.

- Einführung eines Lebensraum-Management in bestehenden und potentiellen Habitaten, das auf die ökologischen Ansprüche des Blauschillernden Feuerfalters abgestimmt ist.

- Bekämpfung von Neophyten zur Erhaltung feuchter Hochstaudenfluren und Auwälder durch Eliminierung des in Teilen des Projektgebietes eingedrungenen Drüsigen Springkrautes (Impatiens glandulifera).

Maßnahmen

- Über eine Lebensraumkartierung wurde das ganze Spektrum der Biotoptypen erfasst, ihr Zustand beurteilt und mögliche Maßnahmen abgeleitet.

- Noch nicht bekannte Vorkommen des Blauschillernden Feuerfalters wurden gesucht und der Zustand der Populationen eingeschätzt hinsichtlich ihrer Vitalität und Isolation.

- Für die Umsetzung unserer Ziele bedeutende Grundstücke wurden identifiziert und ihr Ankauf bzw. eine Pacht wurde mit den Eigentümern besprochen.

- Eingeworbene Fichtenforstparzellen werden zu Laubwald umgebaut. Der Nadelbaumbestand kleinerer Grundstücke wurde komplett entnommen. Bodenschonende Methoden wie z.B. unterschiedliche Seilzugtechniken wurden in empfindlichen, nassen oder steilen Lagen eingesetzt. In größeren, zusammenhängenden Forsten erfolgte der Waldumbau über einen längeren, mehrere Jahrzehnte dauernden Zeitraum. Wir haben die Bäume gruppenweise entnommen, um den Waldcharakter des Gebietes bestmöglichst zu erhalten.

- Laubbäume werden durch den Samen der Umgebung über den Wind oder Tiere in die eingeschlagenen Flächen getragen. Lokal wurden Bäume gepflanzt, um die Artenzusammensetzung zu lenken.

- In Ufernähe haben wir auf den ehemaligen Fichtenforsten Schlangenknöterich (Bistorta officinalis) eingebracht - die einzige Raupennahrungspflanze des Blauschillernden Feuerfalters.

- Brachgefallenes Land wurde einerseits eingezäunt, damit eine extensive Beweidung erfolgen kann. Andererseits wurde mit den verschiedensten geländegängigen Mähgeräten gearbeitet, um in steiler Lage und auf nassen Untergrund Grünland wieder zu bewirtschaften.

- Dreimal jährlich wurde unser Projektgebiet von Arbeitern abgelaufen, um das Drüsige Springkraut auszurupfen. Eine mühsame Arbeit die Genauigkeit erfordert, aber deutliche Erfolge zeigt.

- Durch die Erfassung von Pflanzen, Tag- und Nachtfaltern, Laufkäfern und Spinnen mit standardisierten Methoden vor Beginn und nach Beendung unserer Maßnahmen beurteilen wir den Erfolg unserer Arbeiten.

- Geführte Exkursionen, Vorträge, eine Ausstellung, Social Media Präsenz, ein eigens erstellter Wanderführer oder Presseartikel sind einige Beispiele für unsere Öffentlichkeitsarbeit.

Erfolge in Zahlen

120 Grundstücke bzw. 45 Hektar Land wurden gekauft

22 ha Laubwaldentwicklung wurde nach Fällung von Fichtenforst initiiert

7.000 Bäume wurden gepflanzt, darunter 540 Bergulmen

9 ha Wiesenbrache wurden gemäht oder beweidet

7,5 ha Bergmähwiese wurden in dauerhafte extensive Nutzung gebracht und neu geschaffen

5,6 ha Feuchtwiese wurden für den Blauschillernden Feuerfalter optimiert

1.300 m Uferrandstreifen sind für den Blauschillernden Feuerfalter geschaffen und optimiert worden

7.500 Ableger des Schlangenknöterich wurden gepflanzt

17 km Bachtal sind von Indischem Springkraut befreit worden

400.000€ sind für Naturschutzarbeiten an Unternehmer im Landkreis geflossen

119 Gräser und krautige Pflanzen, 48 Tagfalter-Arten, 330 Nachtfalter-Arten, 69 Laufkäfer-Arten und 197 Spinnen-Arten wurden im Monitoring erfasst

28 Exkursionen und Mitmachaktionen, 26 Vorträge, 16 Ausstellungstermine, ein viersprachiger Wanderführer, 45 Pressemitteilungen und 6 TV-Beiträge haben unsere Aktivitäten an die breite Öffentlichkeit getragen

Dokumente

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