Kurzfristige Etablierung eines klimaplastischen naturgemäßen Dauerwaldes (Forstbetrieb Kalebsberg)
Das nachfolgend vorgestellte Projekt stellt am Beispiel eines mecklenburgischen Forstbetriebes einen Leitfaden für forstliches Handeln vor, der bei konsequenter Anwendung innerhalb eines sehr kurzen Zeitrahmens (12 Jahre) zu einem ertragreichen und ökologisch wertvollen, aber vor allem überlebensfähigen Wald führt. Es wird ein umfassender systemischer Ansatz verfolgt, welcher den Wald als komplexes Ökosystem begreift. Auf dieser Basis werden im Forstbetrieb Kalebsberg die ANW-Grundsätze als Standards für eine naturgemäße Waldwirtschaft konsequent umgesetzt. Darüber hinaus werden Urwaldmechanismen genutzt, aktuelle klimatische Prognosen berücksichtigt und völlig neue Jagdstrategien angewendet.
Die Waldbewirtschaftung orientiert sich nachdrücklich am „Waldwohl“ und berücksichtigt bei allen forstlichen Maßnahmen die Erkenntnisse über die Selbstregulierungsfähigkeit und Funktionsfähigkeit des Wald-Ökosystems. Es ist in Hinblick auf die zu erwartende Zunahme von Klimaextremen zukünftig unverzichtbar, die Waldbewirtschaftung konsequent auf dieses „Waldwohl“ auszurichten.
Ein Schwerpunkt dieser ökosystemaren Waldbewirtschaftung ist die Revitalisierung der überlebenswichtigen „Klimafunktion“ des Waldes sowohl für das Waldökosystem selbst als auch für die Kühlung der waldumgebenden Landschaft. Die Revitalisierung der Klimafunktion des Waldes ist die Grundlage für den Erhalt aller anderen Waldfunktionen und erfordert einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise der Waldbewirtschaftung

Details
- Projektträger:
- Forstbetrieb Kalebsberg Holger Weinauge
- Adresse:
- Alte Poststraße 2
18292 Serrahn - Förderprogramme:
Fehlanzeige
Projektbeschreibung
DAS WALDBAULICHE KONZEPT UND DEREN UMSETZUNG:
Die Art der Waldbewirtschaftung des Forstbetriebes orientieren sich an der Erkenntnis, dass es zukünftig unvermeidbar sein wird, nur solche forstlichen Maßnahmen anzuwenden, die auf die Verbesserung der Selbstregulierungs- und Funktionsfähigkeit sowie der Resilienz des Ökosystems Wald abzielen.
ETABLIERUNG VON URWALDMECHANISMEN:
Die Schaffung und der Erhaltung eines kühlen Waldinnenklimas erfolgen durch die Verhinderung der Freilage und Besonnung der Waldböden. Eine Erhöhung der Stockwerkshöhe wird durch das Belassen alter und starker Bäume in den Beständen und dem Belassen von starkem liegendem und stehendem Totholz als Wasserspeicher und Kältepumpe realisiert. Das „Kalebsberger Gigantenkonzept“ entlässt auf diese Weise ca. 10-30 % aller alten und starken Bäume in die „Ewigkeit“. Dieses garantiert die fließende Integration aller Waldentwicklungsphasen jeder vorkommenden Baumart in die naturgemäße Dauerwaldbewirtschaftung, es erhält und verbessert das epigenetische Anpassungspotential und steigert die Mykorrhizavielfalt. Die positiven Folgen sind eine verbesserte Resistenz und Resilienz dieses Waldes.
ETABLIERUNG EINES DAUERWALDES:
Die Holznutzung erfolgt so, dass der Waldboden dauerhaft von Wald bedeckt bleibt. Eine permanente und sich ständig erneuernde Vorausverjüngung möglichst aller natürlich vorkommenden Baumarten sowie die einzelstammweise Nutzung nach den Prinzipien „Struktur vor Hieb“ bildet die Grundlage für eine dauerhafte Waldbestockung. Entnahmelücken dürfen dabei die horizontale Ausdehnung von einer Baumlängen des umgebenden Bestandes nicht überschreiten. In Anpassung an die sich verändernden klimatischen Verhältnisse finden neben der Förderung der Naturverjüngung der heimischen Baumarten auch neue geobotanische Ansätze Berücksichtigung.
BODENSCHUTZ:
Die Waldbodenentwicklung soll so wenig wie möglich gestört werden. Dieses erfolgt durch die Nutzung alter Wege und bereits existierender Hauptgassen in weitem Abstand. Die durchschnittliche Entfernung zwischen den flexiblen Fahrgassen liegt zwischen 80 m und 120 m. Nach Möglichkeit sollen auf diese Weise kompakte unbefahrene Waldböden von ca. einem ha und mehr dauerhaft etabliert werden. Die Vorlieferung geschieht mit Pferden und selbstfahrenden Kleinstraupen. Auf ein starres schematisches Gassensystem und sogenanntes permanentes engmaschiges Feinerschließungsnetz wird aus den Gründen des Bodenschutzes und zum Schutz des Waldinnenklimas verzichtet.
ETABLIERUNG KLIMAPLASTISCHER BAUMARTEN:
Die heimischen Baumarten bilden das Grundgerüst der Baumartenpalette. Mit den anthropogen verursachten und klimatisch spürbaren schnellen Änderungen der Umweltbedingungen kann die Anpassungsfähigkeit der heimischen Baumarten aber wahrscheinlich nicht Schritt halten. Genetisch flexible Baumarten mit einer weiten ökologischen Amplitude werden bezüglich ihrer Anpassungsfähigkeit als die beste Wahl angesehen. Diese Arten sind besonders in den primären Urwäldern des Nordiran (Kaspische Wälder) zu finden welche eine wahre Arche Noah für den eurasischen Florenraum im Allgemeinen und für die sommergrünen Laubwälder Mitteleuropas im Speziellen darstellen.
DIE JAGDLICHE BEHANDLUNG:
Die Bejagung des Forstbetriebes erfolgt als konsequente Intervalljagd in Eigenregie ein bis höchstens zwei Mal pro Jagdjahr und wird als Beunruhigungsjagd durchgeführt. Dabei wird auf das Prinzip der „Duftreusen“ gesetzt. Die Verteilung der mobilen Jagdstände wurde dem Bewegungsverhalten des Wildes angepasst. Die Sitze stehen so zueinander, dass durch das zeitlich versetzte Aufsuchen durch die Jäger diese wie stille Treiber das Wild langsam zu den bereits besetzten Sitzen in Bewegung bringen. So ist es möglich eine störungsarme und besonders tierschutzgerecht Jagd mit einer außergewöhnlich hohen Erfolgsrate durchzuführen. Eine Nachjustierung des Jagdstand-Systems ist auf Grund der sich ändernden Vegetationsverhältnisse und Wildwechsel regelmäßig notwendig, um den Erfolg des „Kalebsberger Duftreusenkonzeptes“ zu gewährleisten.
DER WALDZUSTAND HEUTE:
An den klassischen einschichtigen Hallenwald erinnert heute nur noch wenig im Forstbetrieb Kalebsberg.
Durch die konsequente Anreicherung einer echten Alterungs- und Reifephase vieler Baumarten und deren Nutzungsverzicht haben sich die Vielfalt und die Menge der Insekten-, Pilz-, Vögel- und Fledermaushabitate deutlich verbessert und wurden erstmalig nach langer Zeit in dieser Diversität wieder etabliet. An heißen Sommertagen ist dieser Wald ein kühler üppiger, teils undurchdringlicher, grüner Ort und verzaubert durch „das harmonische Spiel zwischen Licht und Schatten“.


