Ökologischer Umbau des Emschersystems

Details
- Projektträger:
- Emschergenossenschaft
- Adresse:
- Kronprinzenstraße 24
45128 Essen - Förderprogramme:
- Land Nordrhein-Westfalen mit den Förderprogrammen • Zuwendungen des Landes für Abwassermaßnahmen • Regionales Wirtschaftsförderungsprogramm NRW • Zuwendungsvertrag 1994 – 1999 • Sonderplafond Emscherumbau (2001 – 2010) • Rahmenvereinbarung Emscherumbau (2010 – 2019) • Ökologieprogramm Emscher-Lippe • Wasserbauprogramm • EFRE/Ziel 2-Programm (Landesanteil) • Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie Europäische Union • Darlehensverträge mit der Europäischen Investitionsbank • EFRE/Z
- Kooperationspartner:
- Umweltministerium, Bezirksregierung, Städte und Kreise der Region, Umwelt- und Naturschutzverbände, Hochschulen der Region
Projektbeschreibung
Die Renaturierung des Emschersystems ist ein besonders gutes Beispiel zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Aus über viele Jahrzehnte Abwasser führenden, technisch ausgebauten Gerinnen sind wieder naturnahe Bach- und Flussläufe entstanden. Der ökologische Umbau folgte leitbildorientierten Entwicklungszielen. Die Gewässer fließen – soweit dies der zur Verfügung stehende Raum es ermöglicht - geschwungen und flach eingeschnitten mit naturnahem Sohlsubstrat in einer unterschiedlich breiten Ersatzaue. Die Gewässer-Umland-Verzahnungen sind wichtiges Ziel der Umgestaltung, die eigendynamische Entwicklung mit Ausnahme von Restriktionsabschnitten weitgehend möglich.
Seinen besonderen Wert erhält dieses Projekt durch die gelungene Verbindung ökologischer, wasserwirtschaftlicher und städtebaulicher Elemente. Es zeigt seine Bedeutung für den Strukturwandel in der Region und verdeutlicht, dass selbst unter extremen Bedingungen Gewässerrenaturierung im urbanen Raum möglich ist und einen großen Gewinn bedeutet.
Die Emscher ist vom Gewässertyp ein Tieflandfluss mit vorwiegend sandiger Sohle (LAWA-Typ 15). Sie hat natürlicherweise ein sehr geringes Gefälle und ein flaches Profil. Hochwässer überfluten häufig die Aue und verursachen Uferabbrüche und Schlamm-, Sand- und Kiesablagerungen sowie Sedimentumlagerungen. Die Aue war ursprünglich durch eine Sumpf- und Bruchlandschaft charakterisiert.
Diese ursprüngliche Fluss- und Auenlandschaft kann nicht mehr hergestellt werden. Daneben wurde das ohnehin geringe Gefälle durch den untertägigen Steinkohleabbau stark überformt. Auch Deiche stellen für die geplante Gewässer- und Auenentwicklung Beschränkungen dar. Aus Hochwasserschutz- und Deichsicherheitsgründen dürfen die Deiche selbst sowie begleitende Flächen zur Deichunterhaltung sowie Sicherung im Regelfall nicht mit Gehölzen bepflanzt werden und können somit nicht in flussdynamische Prozesse einbezogen werden. Die Emscher ist als erheblich verändertes Gewässer eingestuft.
Vor diesem Hintergrund stellt die Fließgewässer- und Auenentwicklung im urbanen Raum eine besondere Herausforderung dar. Die Renaturierung der Emscher muss sich daher nicht nur auf den Fluss selber beziehen, sondern sie bedarf innovativer Anwendungsmöglichkeiten zur Strukturverbesserung und Förderung eigendynamischer Entwicklung der Gewässer, so dass möglichst viele ökologisch wertvolle Gewässer- und Auenabschnitte entstehen können. Deshalb beinhaltet die Umgestaltungsplanung auch die Entwicklung und Verzahnung von begleitenden Strukturen und Lebensräumen außerhalb des Emscherprofils. Die Auswertung von Gewässertyp und Leitbild, Restriktionen und Potenzialen führte zu einem Konzept mit abschnittsbezogen differenzierten Entwicklungsmöglichkeiten: Das ökologische Konzept zur Renaturierung der Emscher.
Ziel des ökologischen Konzepts ist es, die ökologische Funktionsfähigkeit der Emscher als durchgängiger Lebensraum mit möglichst typischen Strukturen, der Fähigkeit zur eigendynamischen Entwicklung und einer typischen Besiedlung wiederherzustellen.
Die Entwicklungschancen sind umso größer, je mehr Fläche im Gewässerumfeld für die Umgestaltung zur Verfügung steht. Je eher die zur Verfügung stehende Korridorbreite für die Flussentwicklung dem leitbildgemäßen Korridor entspricht, desto größer sind auch die Möglichkeiten für eine eigendynamische Entwicklung der Emscher.
Mit dem ökologischen Umbau des Gewässerprofils wird die Durchgängigkeit des Flusses hergestellt. Hierbei gelten ökologische Mindestanforderungen an die Dimensionierung und Ausstattung von Gewässerbett und Ersatzaue für den gesamten Flusslauf. Diese basieren ebenfalls auf der Leitbildbetrachtung.
Möglichst leitbildkonforme ökologische Schwerpunkte in regelmäßigen Abständen Vernetzungen ins gesamte Gewässersystem über Bachmündungsauen dazwischenliegende restriktive Bereiche mit definierten ökologischen Mindestanforderungen (Zwischenstrecken) ökologisch-hydraulische Ergänzungsräume in Form von Siedlungswasserauen, Feuchtbiotopen bzw. durch Instream-River-Training-Maßnahmen etc..
Neben der Bedeutung für Ökologie, Erholung und Wohnqualität ist mit dem erweiterten Bereich der oberen Emscher erstmalig für den Umbauprozess dieses Flusssystems eine direkte Vernetzung mit wichtigen, naturnahen Zuläufen des oberen Emscherbereiches erzielt worden. Es hat so eine spontane Neubesiedlung der Emscher mit teils seltenen Tier- und Pflanzenarten stattgefunden.
Die sich hierbei neu entwickelnden Ökosysteme sind spannende Fallbeispiele, um die Wiederbesiedlung durch Fließgewässerorganismen (z. B. Fische) mittels moderner, molekularer Methoden zu untersuchen. So wird getestet, inwiefern Analysen von Umwelt-DNA (environmental DNA, kurz eDNA) genutzt werden können, um den Erfolg der Wiederansiedlung zu bewerten.


