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Städte und urbane Landschaften
Gewässer und Auen

Ökologischer Umbau des Emschersystems

Nordrhein-Westfalen
Die Emscher ist ein rechtsseitiger Nebenfluss des Rheins. Sie entspringt in Dortmund und durchfließt das dicht besiedelte und stark urban geprägte Ruhrgebiet. Das Einzugsbiet hat eine Größe von 865 km². Nach einer Fließstrecke von 85 km mündet die Emscher in den Rhein. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Emscher ein kleiner, mäandrierender, sandgeprägter Tieflandfluss. Ab 1850 begann der Steinkohle-Bergbau in der Emscher-Region. Aufgrund der bergsenkungsbedingten Vorflutstörungen wurde 1899 die Emschergenossenschaft mit dem Ziel gegründet, den ordnungsgemäßen Abfluss der Emscher und ihrer Nebengewässer zu gewährleisten. Als Folge dessen entstand ein Netz von ca. 350 km technisch ausgebauten, Schmutzwasserläufen in Betonschalen, die ihren Wert als Gewässer verloren hatten. Mit dem Rückgang des Bergbaus entschloss man sich in den 1980er-Jahren, das System der offenen Schmutzwasserläufe komplett zurückzubauen und die Emscher sowie deren Zuflüsse ökologisch zu verbessern. Das heißt: Die Betonschalen werden entfernt, das Schmutzwasser getrennt vom Gewässerlauf un-terirdisch abgeführt sowie das Gewässerumfeld und das Gewässerbett werden naturnah gestaltet. Seit 2022 ist das gesamte Fluss- und Bachsystem abwasserfrei und aktuell sind ca. 170 km Fließgewässer ökologisch verbessert. Der Umbau des Emscher-Systems sorgt für eine deutlich bessere Lebensqualität in der Region, trägt zu Biodiversität und Klimaanpassung bei und fördert maßgeblich den Strukturwandel der Region.
Neue Emscher am Wasser-Erlebnispark Castrop-RauxelFoto: Emschergenosschenschaft/R. Oberhäuser

Details

Projektträger:
Emschergenossenschaft
Adresse:
Kronprinzenstraße 24
45128 Essen
Förderprogramme:
Land Nordrhein-Westfalen mit den Förderprogrammen • Zuwendungen des Landes für Abwassermaßnahmen • Regionales Wirtschaftsförderungsprogramm NRW • Zuwendungsvertrag 1994 – 1999 • Sonderplafond Emscherumbau (2001 – 2010) • Rahmenvereinbarung Emscherumbau (2010 – 2019) • Ökologieprogramm Emscher-Lippe • Wasserbauprogramm • EFRE/Ziel 2-Programm (Landesanteil) • Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie Europäische Union • Darlehensverträge mit der Europäischen Investitionsbank • EFRE/Z
Kooperationspartner:
Umweltministerium, Bezirksregierung, Städte und Kreise der Region, Umwelt- und Naturschutzverbände, Hochschulen der Region
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Projektbeschreibung

Die Renaturierung des Emschersystems ist ein besonders gutes Beispiel zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Aus über viele Jahrzehnte Abwasser führenden, technisch ausgebauten Gerinnen sind wieder naturnahe Bach- und Flussläufe entstanden. Der ökologische Umbau folgte leitbildorientierten Entwicklungszielen. Die Gewässer fließen – soweit dies der zur Verfügung stehende Raum es ermöglicht - geschwungen und flach eingeschnitten mit naturnahem Sohlsubstrat in einer unterschiedlich breiten Ersatzaue. Die Gewässer-Umland-Verzahnungen sind wichtiges Ziel der Umgestaltung, die eigendynamische Entwicklung mit Ausnahme von Restriktionsabschnitten weitgehend möglich.

Seinen besonderen Wert erhält dieses Projekt durch die gelungene Verbindung ökologischer, wasserwirtschaftlicher und städtebaulicher Elemente. Es zeigt seine Bedeutung für den Strukturwandel in der Region und verdeutlicht, dass selbst unter extremen Bedingungen Gewässerrenaturierung im urbanen Raum möglich ist und einen großen Gewinn bedeutet.

Die Emscher ist vom Gewässertyp ein Tieflandfluss mit vorwiegend sandiger Sohle (LAWA-Typ 15). Sie hat natürlicherweise ein sehr geringes Gefälle und ein flaches Profil. Hochwässer überfluten häufig die Aue und verursachen Uferabbrüche und Schlamm-, Sand- und Kiesablagerungen sowie Sedimentumlagerungen. Die Aue war ursprünglich durch eine Sumpf- und Bruchlandschaft charakterisiert.

Diese ursprüngliche Fluss- und Auenlandschaft kann nicht mehr hergestellt werden. Daneben wurde das ohnehin geringe Gefälle durch den untertägigen Steinkohleabbau stark überformt. Auch Deiche stellen für die geplante Gewässer- und Auenentwicklung Beschränkungen dar. Aus Hochwasserschutz- und Deichsicherheitsgründen dürfen die Deiche selbst sowie begleitende Flächen zur Deichunterhaltung sowie Sicherung im Regelfall nicht mit Gehölzen bepflanzt werden und können somit nicht in flussdynamische Prozesse einbezogen werden. Die Emscher ist als erheblich verändertes Gewässer eingestuft.

Vor diesem Hintergrund stellt die Fließgewässer- und Auenentwicklung im urbanen Raum eine besondere Herausforderung dar. Die Renaturierung der Emscher muss sich daher nicht nur auf den Fluss selber beziehen, sondern sie bedarf innovativer Anwendungsmöglichkeiten zur Strukturverbesserung und Förderung eigendynamischer Entwicklung der Gewässer, so dass möglichst viele ökologisch wertvolle Gewässer- und Auenabschnitte entstehen können. Deshalb beinhaltet die Umgestaltungsplanung auch die Entwicklung und Verzahnung von begleitenden Strukturen und Lebensräumen außerhalb des Emscherprofils. Die Auswertung von Gewässertyp und Leitbild, Restriktionen und Potenzialen führte zu einem Konzept mit abschnittsbezogen differenzierten Entwicklungsmöglichkeiten: Das ökologische Konzept zur Renaturierung der Emscher.

Ziel des ökologischen Konzepts ist es, die ökologische Funktionsfähigkeit der Emscher als durchgängiger Lebensraum mit möglichst typischen Strukturen, der Fähigkeit zur eigendynamischen Entwicklung und einer typischen Besiedlung wiederherzustellen.

Die Entwicklungschancen sind umso größer, je mehr Fläche im Gewässerumfeld für die Umgestaltung zur Verfügung steht. Je eher die zur Verfügung stehende Korridorbreite für die Flussentwicklung dem leitbildgemäßen Korridor entspricht, desto größer sind auch die Möglichkeiten für eine eigendynamische Entwicklung der Emscher.

Mit dem ökologischen Umbau des Gewässerprofils wird die Durchgängigkeit des Flusses hergestellt. Hierbei gelten ökologische Mindestanforderungen an die Dimensionierung und Ausstattung von Gewässerbett und Ersatzaue für den gesamten Flusslauf. Diese basieren ebenfalls auf der Leitbildbetrachtung.

Möglichst leitbildkonforme ökologische Schwerpunkte in regelmäßigen Abständen Vernetzungen ins gesamte Gewässersystem über Bachmündungsauen dazwischenliegende restriktive Bereiche mit definierten ökologischen Mindestanforderungen (Zwischenstrecken) ökologisch-hydraulische Ergänzungsräume in Form von Siedlungswasserauen, Feuchtbiotopen bzw. durch Instream-River-Training-Maßnahmen etc..

Neben der Bedeutung für Ökologie, Erholung und Wohnqualität ist mit dem erweiterten Bereich der oberen Emscher erstmalig für den Umbauprozess dieses Flusssystems eine direkte Vernetzung mit wichtigen, naturnahen Zuläufen des oberen Emscherbereiches erzielt worden. Es hat so eine spontane Neubesiedlung der Emscher mit teils seltenen Tier- und Pflanzenarten stattgefunden.

Die sich hierbei neu entwickelnden Ökosysteme sind spannende Fallbeispiele, um die Wiederbesiedlung durch Fließgewässerorganismen (z. B. Fische) mittels moderner, molekularer Methoden zu untersuchen. So wird getestet, inwiefern Analysen von Umwelt-DNA (environmental DNA, kurz eDNA) genutzt werden können, um den Erfolg der Wiederansiedlung zu bewerten.

Dokumente

20221705-Broschüre-EH_EmscherAuen-EF_Ansicht.pdfGröße 2109 KB
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20222206-Emscher-Umbau_deutsch_ND06.22-EF_Ansicht.pdfGröße 2406 KB
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