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Moore und Feuchtgebiete
Kultur- und Agrarlandschaften

Naturschutzgroßprojekt "Bergwiesen im Osterzgebirge"

Sachsen
Das Projektgebiet liegt im Süden des Landkreises Sächsische Schweiz – Osterzgebirge (Freistaat Sachsen) entlang der Staatsgrenze zur Tschechischen Republik. Diese einzigartige Kulturlandschaft ist historisch gewachsen (Bergbau und Wiesenwirtschaft) und stellt das größte zusammenhängende Gebiet intakter Bergwiesen in deutschen Mittelgebirgen dar. Neben den Offenlandbiotopen, bieten sowohl die landschaftstypischen Steinrücken, wie auch die große Vielfalt schützenswerter Biotope (Nieder-, Zwischen- und Quellmoore, naturnahe Mischwälder, Moorwälder) zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Das Hauptziel des Naturschutzgroßprojektes war die Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung dieser historischen Wiesen- und Steinrückenlandschaft durch vielfältige, umweltgerechte Bewirtschaftungsmaßnahmen und pflegliche Nutzung im Interesse der nachhaltigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung zu organisieren.
Bergwiese am Osthang des GeisingbergesFoto: Foto: K. Drilling

Details

Projektträger:
Untere Naturschutzbehörde, Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Adresse:
Am Bahnhof 1
01773 Altenberg
Förderprogramme:
chance.natur – Bundesförderung Naturschutz
Kooperationspartner:
Landesverband Sächsischer Heimatschutz e.V., Naturschutzbund Deutschland, LV Sachsen e.V., Grüne Liga Osterzgebirge e.V., Förderverein für die Natur des Osterzgebirges e.V., Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e.V., Landwirtschaftliche Projektpartner
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Projektbeschreibung

Das Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“ wurde 1999 als 50. Naturschutzgroßprojekt des Bundes und gleichzeitig als erstes in ostdeutschen Mittelgebirgslagen in das Förderprogramm „chance.natur“ aufgenommen. Nach einer 2. Projektphase (bis 2015) sowie deren Verlängerung endete es im Dezember 2018.

Das Projektgebiet befindet sich im Süden des Freistaates Sachsen im Naturraum „Osterzgebirge“ und zieht sich am Erzgebirgskamm in Höhen zwischen 550m bis 800m ü. NN entlang der Staatsgrenze zur Tschechischen Republik. Hervorzuheben sind die markante Basaltkuppe des Geisingberges mit 824m und die bemerkenswerte Offenlandschaft, geprägt durch die charakteristischen Steinrücken (aufgeschichtete Feldsteine) längs der alten Flurstücksgrenzen. In das 2.858 ha große Projektgebiet zwischen den Orten Altenberg, Zinnwald, Geising, Fürstenau, Fürstenwalde und Lauenstein sind die Kerngebiete mit einer Fläche von 1.828 ha eingeschlossen. Mit dieser Ausdehnung handelte es sich um ein eher kleines, aber sehr interessantes Naturschutzgroßprojekt mit einer enormen Artenvielfalt auf engstem Naturraum. Das Projektgebiet besteht zu einem großen Anteil aus Hochflächen, die durch Kerbsohlentäler mehrerer überwiegend nach Norden abfließender Bäche durchschnitten werden. Daher wirkt die Landschaft mehr durch die tiefe Zertalung als durch markante Einzelerhebungen als Gebirge und wird hauptsächlich durch unterschiedliche Erscheinungsformen der Grünlandgesellschaften im Wechsel mit den prägenden Steinrücken im Offenland und im Wald geprägt.

Die Ausstattung des Projektgebietes mit Biotoptypen ist sehr vielfältig (64 erfasste Biotoptypen), wobei diese Vielfalt auf die Mittelgebirgslage, die hier vorherrschenden abiotischen Bedingungen sowie die historischen Bewirtschaftungsformen zurückzuführen ist. Erwartungsgemäß nimmt Grasland in den Kerngebieten den höchsten Anteil ein (ca. 65 %). Etwa ein Drittel des gesamten Projektgebietes ist von Wäldern und Forsten bedeckt; es handelt sich überwiegend um Nadelholzforste in unterschiedlicher Zusammensetzung. Naturnahe, strukturreiche alte Wälder und Bergmischwälder (z. B. Schluchtwald, Buchenwald) findet man dagegen als Folge des Waldsterbens in den 70er bis 90er Jahren und der danach beginnenden Aufforstung mit immissionsresistenten Arten wie Lärche, Murray-Kiefer und Blau-Fichte, nur begrenzt vor.

Eine Besonderheit in den Offenlandschaften der Höhenlagen stellen die Steinrücken dar. Diese sind über Jahrhunderte hinweg entstanden, indem Landwirte die Steine aus den Äckern gesammelt und meist zu linienförmigen, selten auch zu flächigen Steinwällen aufgeschichtet haben. Traditionell wurden die Steinrücken durch regelmäßige Nutzung, der sie besiedelnden Pioniergehölze als Brennholz, offengehalten. Je nach Basen- und Nährstoffgehalt der Böden sind sie zumeist mit Baumreihen aus Eberesche oder artenreichen Bergmischwaldstreifen bewachsen; teilweise sind artenreiche Gebüsche ausgebildet. Durch die vorherrschenden besonderen mikroklimatischen Bedingungen der Steinrücken, konnte sich an deren Rändern sowie an den Staudensäumen der Wiesen eine typische artenreiche Flora und Fauna entwickeln (z.B. Feuer-Lilie, Busch-Nelke). Zahlreiche Pflanzenarten, die vor allem im Grünland vorkommen, haben ihren sächsischen Verbreitungsschwerpunkt hier im Osterzgebirge; dazu zählen 22 bundesweit und 52 landesweit gefährdete Gefäßpflanzen sowie zahlreiche gefährdete Moos- und Flechtenarten. Hervorzuheben sind ferner die Biotoptypen der seltenen Moore und Sümpfe. Die häufigste Ausprägung stellen die Kleinseggenriede dar, welche vielfach in Nasswiesenkomplexen auftreten. Bedeutend als Lebensraum sowie für den Artenschutz sind die wenigen, noch intakten kleinflächigen Übergangsmoore in den Quellgebieten der Mittelgebirgsbäche. Diese teilen sich dort häufig in zahlreiche kleinste Rinnsale, welche sich in den tieferen Tallagen wieder zu größeren Bächen vereinen.

Aufgrund der Großflächigkeit, Vielfalt und extensiven landwirtschaftlichen Nutzung des Projektgebietes leben und brüten hier viele schutzwürdige Arten der Avifauna. Die Brutvorkommen von Birkhuhn, Wachtelkönig, Raubwürger, Bekassine und Braunkehlchen in diesem relativ kleinen Projektgebiet charakterisieren daher die bundesweite naturschutzfachliche Bedeutung. Zur Stabilisierung und Wachstum dieser lokalen Bestände wurden verschiedene Maßnahmen (z.B. Auflichtung von Wäldern, Besucherlenkung, Prädatorenzäune, Sitzwarten) während der Projektlaufzeit realisiert. Zur Erhaltung, Sicherung und Entwicklung der historischen Wiesen- und Steinrückenlandschaft wurden zudem zahlreiche Flächen gekauft und getauscht, verbuschte Bergwiesen wiederhergestellt und in eine regelmäßige Pflege überführt, Offenlandstrukturen wie Steinrücken, Hecken oder Gehölzbiotope restauriert oder neu angelegt, Wanderwege ausgewiesen und schlussendlich konnten große Teile des Projektgebietes in nationale oder internationale Schutzgebiete (NSG, SPA) überführt werden.

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